
Die besten Vermögensverwalter
impulse hat exklusiv 170 Fondsvermögensverwalter nach ihren Anlageerfolgen gefragt. Welche Strategen Ihr Vertrauen verdienen.
Das vergangene Jahr schien für Anleger zum Selbstläufer zu werden. Die Börsen stiegen rasant. Schon zur Halbzeit hatte der Dax fast 25 Prozent gutgemacht. Doch dann brach die sogenannte Subprime-Krise über die Märkte herein und schluckte in der zweiten Jahreshälfte fast alle Kursgewinne. Lediglich Dax und einige Schwellenländerindizes konnten am Ende noch mit zweistelligen Wertzuwächsen glänzen. Wer aber – wie die meisten Anleger – sein Geld weltweit gestreut hatte, erzielte etwa mit global anlegenden Aktienfonds kaum die Rendite eines gut verzinsten Geldmarktkontos.
Mehr schafft in diesen schwierigen Zeiten nur die Elite der Geldprofis. Die jährliche impulse-Umfrage unter 170 Fondsvermögensverwaltern belegt es: Anleger, die auf die richtige Adresse gesetzt hatten, konnten sich auch 2007 über Renditen bis zu 20 Prozent freuen. Dem impulse-Vergleich haben sich sowohl Vermögensmanager von Banken als auch freie Verwalter gestellt. Untersucht wurde, wer in drei unterschiedlichen Risikokategorien – offensiv, ausgewogen, konservativ – die Marktklippen am besten umschifft hat. Für jede dieser Strategien gab es 2007 auch wieder einen Fünfjahresvergleich.
Als überragende Sieger präsentierten sich dabei die Fondsvermögensverwalter von Artus Direct Invest. Die Top-Performer eroberten gleich in allen drei Kategorien den ersten Rang. Mit ihrem offensiven Depot etwa erzielten sie auf der Langstrecke einen jährlichen Wertzuwachs von durchschnittlich gut 19 Prozent. "Wir setzen auf ein computergesteuertes Trendfolgeverfahren. Immer den PC-Befehlen zu folgen, zwingt zu Disziplin", erklärt Jörg Bohn, Chef der Portfoliostrategie, das Erfolgsrezept. Liefert das Programm Signale für den Abbruch eines Trends, so wird verkauft. Umgekehrt investiert Bohn nur dann, wenn ein Momentum positiv ist und steigt.
Solche Trends ohne EDV-Unterstützung aufzuspüren war für die Anlageprofis gerade in der zweiten Hälfte 2007 äußerst schwierig. Einigen ist es dennoch gelungen, im Jahresvergleich überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften. So glänzte bei den offensiven Fondsdepots die Proinvest-Beratung mit einem Wertzuwachs von über 20 Prozent. "Wir setzen auf eine stark diversifizierende Fondsarchitektur nach Regionen wie nach Themen und haben auch 2007 eine ruhige Hand behalten", erläutert Klaus Wolfermann, Mitglied der Geschäftsleitung bei Proinvest. Trotz aller Turbulenzen an den Börsen hat er seine Startformation während des gesamten Jahres kaum verändert und stets nahezu vollständig in Aktienfonds investiert.
Die sogenannten ausgewogenen Fondsdepots dagegen dürfen nur bis zu 60 Prozent des Anlagekapitals in Aktienfonds investieren. Das Portfolio der Nordaktienbank erzielte hier als Sieger dennoch eine beachtliche Rendite von 8,48 Prozent. Zum Vergleich: Der Durchschnitt der aus Aktien und Renten gemischten Publikumsfonds schaffte 2007 gerade mal ein Viertel dieser Performance. Die Hanseaten nutzen ein statistisches Modell, das ihnen Vorschläge zur Gewichtung der Anlageklassen liefert. Hinzu kommen die eigenen Markteinschätzungen. »Die Beimischung von BRIC-Ländern wie Brasilien oder Russland hat zur positiven Entwicklung beigetragen«, freut sich Vorstandsmitglied Torben Peters.
Die konservativen Depots dagegen hatten 2007 besonders damit zu kämpfen, dass an den Rentenmärkten aufgrund der gestiegenen Zinsen nur schwer Kursgewinne zu erzielen waren. Umso bemerkenswerter sind die 5,94 Prozent Rendite der Ceros Vermögensverwaltung in dieser Kategorie. "In einem inflationären Umfeld haben es Rentenwerte schwer. Daher setzen wir für 2008 zusätzlich auf Rohstoffpapiere", sagt Ceros-Vorstand Markus Ross.
Kostenlos gibt es den Expertenrat nirgends. Aber mit ein bis zwei Prozent Jahresprämie sind die Fondsprofis oftmals preiswerter als mancher Fonds von der Stange. Auch in diesem Jahr wird sich ihre Erfahrung bezahlt machen. Denn nach dem Crash im Januar haben sich die Börsen noch nicht beruhigt. Langzeitsieger Bohn hat seine Aktienquote erst mal drastisch zurückgefahren. Erst in der zweiten Jahreshälfte 2008 rechnen er und seine Kollegen wieder mit steigenden Kursen. Ihre Favoriten sehen sie aber eher abseits der großen Börsen. Wolfermann: "Die Emerging Markets sollten prächtig laufen."
Von Norbert Hoffmann